Zwischen den Stühlen ist Platz für eine ganze Welt

Eine Bühne voller Stühle, ein Bühnen-off, das gar keins ist und gerade deswegen so schön, viel Blumenkohl und sechs wunderbare Spieler*innen, die auf beeindruckende Weise zeigen, dass das Dazwischen ein ganz besonderer Ort sein kann.

Mit der Wiederaufnahme dieses Stücks, das im Herbst 2019 in der letzten Theaterwerkstatt in der Jugendtheateretage unter der Leitung von Sylke Hannasky, Mitarbeit: Sonja Waldhaus entstanden ist, wurde das Abendprogramm dieser besonderen Werkschau-Ausgabe gestartet. Und es hätte keinen schöneren Auftakt geben können. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben es in nur einer Wiederaufnahmeprobe geschafft, den Zauber, den sie in diese Stückentwicklung hineingelegt haben, wieder hoch zu holen. Authentisch, mit viel Spielfreude, großer Ruhe und vor allem einer geradezu verblüffenden Selbstverständlichkeit haben sie vom Warten und vom Anderssein erzählt. Sie erzählten vom Verlorensein, vom Wollen und noch nicht so richtig Können, vom Träumen, vom Verzweifeln, vom Mutigsein und vom Angst haben. Vom Menschsein eben – genau zum richtigen Zeitpunkt, genau an der richtigen Stelle.

Und so schien es fast, als wäre das Stück gerade erst erarbeitet worden und würde sich genau auf die aktuelle Situation, die sich gerade wieder zuspitzt und einen allzu unangenehm an den Lockdown vom vergangenen Frühjahr erinnert, beziehen. Eine Situation, die viel Unsicherheit mit sich bringt, aber die einem vor Augen führt, wie schön der einzelne kleine Moment sein kann – wenn man sich z.B. mit demjenigen der genauso anders ist als man selbst an Forest Gump erinnert oder alleine an einer Bushaltestelle steht und ans Meer denkt oder die Lieblingsmusik mit jeder Körperfaser spürt oder die letzte Karte für Nick Cave ergattert oder erkennt, dass Blumenkohl nicht nur ein Gemüse, sondern ein kleines Kunstwerk ist. So wie das von den Jugendlichen durchweg selbst entwickelte Theaterstück.

Auch in diesen Herbstferien gibt es wieder eine Theaterwerkstatt in der Jugendtheateretage. Sie startet am 12.10. und es gibt sogar noch freie Plätze. Wer also auch mal ein solches Kunstwerk aus der Taufe heben möchte kann sich noch anmelden. Infos unter http://www.jungetheaterwerkstatt.de.

Vorhang auf!

Am nächsten Dienstag, den 06.10., 18.30 Uhr ist es soweit. Wir starten in die Vorstellungen der diesjährigen Werkschau. Zu allen Vorstellungen können Karten per Mail unter theateruntermdach@gmail.com bestellt werden.

Los geht’s mit Zwischen den Stühlen, eine Stückentwicklung, die im Rahmen der letzten Werkstatt in der Jugendtheateretage unter der Leitung von Sylke Hannasky und der Mitarbeit von Sonja Waldhaus entstanden ist:

Im Wartezimmer des Lebens begegnen sich sechs Wartende. Sie warten auf die Stille, die Entscheidung, den Tod, die Reise, das Meer, die Akzeptanz… Das Warten als wiederkehrender Zustand hat sechs Jugendliche/junge Erwachsene zu verschiedenen Texten und Szenen über Zwischenräume und Zwischenzeiten des Lebens inspiriert. Dabei geht es um das Anderssei-Sollen, das Anderssein-Wollen und das vielleicht schwierigste von allem: das Anders-Sein.

Mittwoch, den 07.10., ab 18.30 Uhr steht auf dem Programm:

Die Corona-Digiloge (ehemaliger DS-Kurs Georg-Friedrich-Händel-Gymnasium, Jahrgangsstufe 9 jetzt 10), Spielleitung: Veit Luczak, Mentorin: Mareile Metzner

Lockdown. Keine Schule, kein Chillen im Park, kein Kino, kein Shoppen – nichts. 8 Wochen nur noch zu Hause. Wie erleben 15-Jährige diese Ausnahmesituation? Womit beschäftigen sie sich, was fühlen sie und welche Rolle spielen die digitalen Medien dabei? Bereits vor der Schulschließung hat sich der Kurs Darstellendes Spiel der 9. Klassen am Georg-Friedrich-Händel Gymnasium mit einer theatralischen Gegenüberstellung von realem Innen- und digitalem Außen-Ich beschäftigt. Und plötzlich ist das eigene Display tatsächlich das einzige Fenster zur Welt. Und nur das Smartphone möglicher Spielpartner und künstlerisches Ausdrucksmittel. Verspielt, ernsthaft, schräg, komisch, tapfer oder verzweifelt geben die Corona-Digiloge einen spannenden, sehr unterschiedlichen und oft erstaunlich kunstvollen Einblick in die Gedanken- und Gefühlswelten der Jugendlichen im Lockdown. Und jetzt spielen endlich alle wieder zusammen  – wenn auch „nur“ auf der großen Leinwand!

und Tea for Twenty Two (DS-Kurs Emil-Fischer-Schule, Jahrgang 11/12, Spielleitung: Oliver Uden)

Ich komm‘ von hier, du von dort. Du sprichst diese Sprache, ich jene. Im kulturellen Miteinander stehen oft Unterscheide im Vordergrund. Der Kurs Darstellendes Spiel von der Emil-Fischer-Schule lenkt den Fokus auf eine Gemeinsamkeit und trifft sich mit dem Publikum auf einen Tee – ein Getränk, ein Ritual, das in vielen Kulturen zuhause ist. Aus dieser Situation heraus werden verschiedene Szenen erzählt, in denen die Erfahrungen der Schülerinnen und Schülern spielerisch verarbeitet werden und so durch kleine parabelartige Blicke ihr und unser Miteinander thematisieren.

Am Donnerstag, den 08.10., ab 18.30 Uhr gibt es dann den Abschluss der diesjährigen Spezialausgabe zu sehen. In Coronation (DS-Basis- und Grundkurs Kurt Schwitters Schule, Spielleitung: Lisa Gratzke, Mentorin: Astrid Rashed)

Die Zeit steht kurz still. Was erleben, fühlen und denken wir? Wem begegnen wir und auf welche Weise? Was wird vermisst, was wird gebraucht? Und was entsteht?
Was bedeutet Zeit, wie dehnt sie sich, wie nutzen wir sie?
Was wird aus unserer Zukunft?
Der DS-Kurs aus der Kurt-Schwitters-Schule präsentiert eine innere Reise durch die Zimmer und Gedanken der Schüler*innen als performative Installation aus dem Lockdown mit Texten, Video, Kunst und Musik.

Wochenendworkshop „Film und Schnitt“

Samstag, 03.10. und Sonntag, 04.10., 11.00 bis 16.00 Uhr, Jugendtheateretage, Danziger Str. 103, 10405 Berlin

Für Jugendliche ab 15 Jahren, Teilnahme kostenfrei

Leitung: Leska Ruppert

Wie kann man eine kurze Szene so drehen, dass sie aussagekräftig, ausdrucksstark und professionell wirkt? Wo steht die Kamera, wie muss das Licht sein, wie oft muss ich gegebenenfalls die Szene wiederholen, um sie aus einer anderen Perspektive noch einmal drehen zu können? Diese und weitere Fragen prägen am ersten Workshoptag die Inhalte. Die Teilnehmer*innen kreieren mehrere kurze Szenen, erstellen eine Auflösung, führen Regie, arbeiten an Kamera und Ton und als Schauspieler*innen. Das Material wird dann am zweiten Workshoptag von den Teilnehmer*innen selbst mit Hilfe von einfachen, praktikablen Programmen geschnitten. Ziel ist es, den Aufbau und die technische Umsetzung von Filmszenen begreifbar zu machen. Gedreht wird vorrangig auf den eigenen Smartphones. Bitte diese und falls vorhanden den eigenen Laptop mitbringen. Ersatzweise kann auch Technik gestellt, bitte im Vorfeld unter g.zorn@kunsthaus-prenzlauerberg.de abklären. Anmeldungen unbedingt unter der gleichen Email-Adresse erforderlich.