Großstadtfantasien – Tag 3

Berlin ist laut, dreckig, voll und hässlich. In der U-Bahn wird man mit unangenehmen Gerüchen, betrunkenen Obdachlosen, nervigen Jugendlichen, meckernden Alten, rücksichtslosen Touristen, gestressten Berufstätigen und noch viel mehr Dingen konfrontiert, die eigentlich keiner braucht…. – und dennoch ist die Stadt Sehnsuchtsort und Heimat, die man nicht verlassen möchte. 22 Jugendliche aus dem neunten Jahrgang des Georg-Friedrich-Händel-Gymnasiums haben ihre Blicke auf Berlin auf die Bühne des Theater unterm Dach gebracht. Unter der Leitung von Stefan Erler und Veit Luczak und mit Unterstützung ihrer Mentorin der Schauspielerin und Regisseurin Mareile Metzner zeigten die Schüler*innen kleine szenische Miniaturen mit viel Witz und überzeichneten Klischees. „Wir wollten das alles schon ein bisschen überspitzen und natürlich ist uns klar, dass nicht alle Obdachlosen ständig betrunken sind“, erklärte eine der Schüler*innen im Publikumsgespräch. In der Inszenierung ging es weniger um die Auseinandersetzung mit Problemen, sondern mehr um das Aufzeigen von Situationen, um die Parallelität der verschiedenen Welten, um den Blick von außen und die Komik des Alltags. Alle Szenen wurden von den Jugendlichen in Improvisationen entwickelt, die Texte stammten zum großen Teil aus den Federn der Schüler*innen und die Übergänge und Verbindungen zwischen den Miniaturen setzten auf das Rhythmusgefühl und die Musikalität der Neuntklässler*innen. Letzteres brachten alle im Überfluss mit – nicht umsonst ist das Händel-Gymnasium für die Qualität seines musikalischen Profils bekannt. Die Interpretation von Elvis Presleys „Are you lonesome tonight“ aus 22 Schüler*innen-Kehlen war ein absolutes Schlusshighlight mit echtem Gänsehaut-Faktor – und das bei subtropischen Temperaturen unterm Dach.

Macht macht manchmal Möglichkeiten – Tag 2

Der DS-Kurs 11 der Kurt Schwitters Schule hat sich mit dem Thema Macht auseinander gesetzt. Was kann Macht, wer hat sie, was passiert, wenn sie in den falschen Händen ist, kann Macht tödlich sein oder kann sie auch helfen? Viele Fragen und viele Möglichkeiten für die Zuschauer*innen sich mit diesen auseinanderzusetzen, ihnen nachzusinnen und sie ganz privat für sich zu beantworten. Die Präsentation „Stück (:) Macht“ war kurz und knackig, aber voll mit Anspielungen, tollen Bildern in Rot und Schwarz und szenischen Skizzen aus dem Shakespeare-Drama „Macbeth“. „Wir fanden, dass das Thema Macht hier absolut im Mittelpunkt steht“, erläuterte eine der Schüler*innen im anschließenden Publikumsgespräch. Anlass genug, um einige Szenen aus dem Drama in die szenische Collage mit eigenen Texten zu verweben. Hilfestellung erhielt der Kurs unter der Leitung von Claudia Thierfelder von der Schauspielerin Kai-Brit Schrader. Sie war eine der Mentor*innen, die während des gesamten vergangenen Schuljahrs zwei ausgewählten DS-Kursen (neben dem aus der Kurt Schwitters Schule war es der Zusammenschluss aus zwei neunten Klassen aus dem Georg-Händel-Gymnasium) zur Seite standen und sich bei inhaltlichen, szenischen und dramaturgischen Fragen helfend einbrachten. Das hat sich rundum gelohnt, denn nicht nur die Schüler*innen profitierten von diesem neuen Angebot, sondern auch die Lehrer*innen. „Darstellendes Spiel in der Schule ist einfach kein Fach wie jedes andere“, so Kai-Brit Schrader. Man brauche viel mehr Zeit, als in den eineinhalb Stunden Unterricht zu Verfügung stehen würden und es erfordere ein hohes Engagement von allen Beteiligten – auch über den Unterricht hinaus. Am Ende lohnt sich das aber, denn die Präsentation auf einer richtigen Bühne, mit professioneller Licht- und Tontechnik im Ensemble oder auch mal mit einem Monolog ist mit keinem anderen schulischen Erlebnis zu vergleichen – schon gar nicht, wenn das Haus voll und der Applaus so groß ist, wie er gestern abend war.

Theaterdonner – oder der erste Tag der 5. Werkschau

Mittwoch, 12.06.2019: Kurz vor der Vorstellung um 19 Uhr öffnet der Berliner Himmel seine Schleusen und es schüttet aus Eimern. Was sich vorher schon mit bedrohlichem Dunkel und maximalen Windböen ankündigte, kam dann mit ordentlichem Blitz und Donner und sorgte dafür, dass der eine oder die andere Besucher*in nass bis auf die Haut im Theater unterm Dach eintrafen. Zu sehen gab es „Feel like Amy“. Ein Stück, welches im Oktober/November letzten Jahres im Rahmen einer einwöchigen Werkstatt unter der Leitung von Sylke Hannasky (Schauspielerin und Theaterpädagogin)  in der Jugendtheateretage entwickelt und jetzt für die Werkschau wieder aufgenommen wurde. Fünf Spieler*innen setzten sich auf spielerische Weise mit den Leben von Amy Winehouse auseinander. Ihrer Kindheit, ihrem Ruhm und ihrem frühen Tod. Die biografische Arbeit an der Biografie der Sängerin wurde durch eigene Texte um Fluch und Segen von Instagram-Accounts vermischt. Ausgangssituation: jugendliche Fans von Amy werden eingeladen in einer Art Hologram-Kammer in unterschiedliche Lebenssituationen und -stationen ihres Stars zu schlüpfen. Sich einmal wie Amy fühlen – ein echter Traum! Oder auch ein Alptraum, wie sich schnell herausstellen wird. „Braucht man nicht“ meint eine der Akteur*innen, als sie nach ihrer Session, die sie in den Körper, der mit Drogen und Alkohol vollgepumpten Sängerin führte, wieder bei den anderen Spieler*innen im Warteraum ankommt. Hier fand eine Entmystifizierung statt, die ohne Schuldzuweisung auskam, analytisch und dennoch sinnlich die Zuschauer*innen an Überlegungen teilhaben ließ, wie wichtig es doch ist, immer den Menschen hinter dem Ruhm, hinter den Followern, hinter den Fans, Skandalen und dem Hype zu sehen.