Nachklapp und letzer Tag

Die Werkschau ist gelaufen. Schön war’s und der letzte Tag bot nicht nur einen ziemlich exklusiven, sondern auch intensiven Spielleiter*innen-Workshop, sowie eine abschließende Vorstellung der Shakespeare-Kids, die mit ihrer Produktion „Romy, Jule, Hamid & ich“ ein echtes Highlight gesetzt haben. Los ging’s mit dem Workshop unter der Leitung von Christine Hofer. Die kleine illustre Teilnehmer*innen-Runde nahm sich eine Szene aus dem Stück „Der Hofmeister“ vor und untersuchte in praktischen Übungen, wie man sich dieser nähern konnte. Dabei ging es sowohl um eine zeitgenössische Herangehensweise, als auch um den Versuch einer Stilisierung durch Maskenspiel. Vor allem die künstlerischen Masken zogen die drei Spielleiter*innen voll in ihren Bann und waren starke Impulse, die mit Sicherheit in die künftige Arbeit mit Schüler*innen und Jugendlichen hinein wirken werden.

Am Abend stand dann der Jugendtheaterclub der Shakespeare Company Berlin auf der Bühne des Theater unterm Dach. Unter der Leitung der beiden Schauspieler*innen und Regisseur*innen Mareile Metzner und Naemi Schmidt-Lauber haben sich die Shakespeare Kids diesmal keinem expliziten Stück gewidmet, sondern sich einen thematischen Schwerpunkt gesetzt – nämlich die Pubertät. Eine Lebensphase mit Chaos in Kopf und Herz, mit Verwirrung und Verirrung, viel Rebellion und Kampf gegen alles und nichts und manchmal auch gegen sich selbst. Und natürlich findet sich all das im Werk von Shakespeare. Nicht nur das seine Protagonist*innen – ob Romeo, Julia oder Hamlet – im besten Pubertätsalter sind, sämtliche Themen und Emotionen tauchen immer wieder in vielen Shakespeareschen Komödien und Tragödien auf. Und so entstand eine spannende Textvorlage, die eine perfekte Balance aus Zitaten und Repliken aus Shakespeares gesammelten Werken und improvisiertem heutigem Alltagsschnack bot. Die 14 Jugendlichen haben sich diese mit Bravour zu eigen gemacht, sie erstaunlich natürlich und direkt in ihr Spiel integriert – ein Genuss den Kids dabei zuzuschauen. In loser Folge wurde das Publikum Zeuge von klassischen Schulhofszenen, in denen es um Verliebtheit, um Erwachsenwerden, um Rausch und Nüchternheit, um Geschlechter und Geschlechterkampf, um Mobbing und Einsamkeit, um Gerüchte und deren Verbreitung, ums Verzweifeln an der Welt und den unbedingten Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit ging. Und natürlich auch um Party und Vergnügen. Mit wenigen Mitteln wurde auf der Bühne die Illusion eines Partyraums erzählt, in den die Spieler*innen immer wieder verschwanden und daraus auftauchten, um quasi „vor der Tür“ in kleinen Spielszenen über verpasste Gelegenheiten und unerfüllte Erwartungen zu erzählen. Hier verdichteten sich die Szenen immer mehr und griffen wunderbar ineinander. Das Ganze gipfelte dann in einer Art Epilog, in dem sich all die sehnsuchtvollen, an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehenden Mädchen und Jungs mitten auf der Bühne trafen. Beinander saßen, entspannt und leise miteinander schwatzend, während aus dem Off ihre Stimmen zu hören waren. Und wir durften ihre Wünsche an die Welt und das Leben hören. Die Wünsche nach Gerechtigkeit und Frieden, nach einer sauberen Umwelt und nach einem Stückchen Glück. Einfach und schlicht und uns allen aus dem Herzen sprechend.

Und zum Abschluss wollen wir hier auch noch einen Wunsch formulieren: Wir wünschen uns mehr von solchen Produktionen, Projekten, Workshops und Präsentationen – aber wir brauchen euch dabei! Als Spieler*innen, Teilnehmer*innen und als Publikum. Wir brauchen euch auch als Impulsgeber*innen. Wir möchten euch deshalb einladen, euch an der nächsten Werkschau aktiv zu beteiligen. Euch einzubringen und diese mit zu gestalten. Meldet euch und seid dabei! Nach der Werkschau ist vor der Werkschau! Infos unter g.zorn@kunsthaus-prenzlauerberg.de.

Text: Gabriela Zorn
Fotos: Lena Leuschner

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