Und abends ins Theater unterm Dach: Kurzfilme und „Klinik Nekcürrev“

Der erste Tag Werkschau Jugendtheater und es findet ein Filmprogramm statt? – Ein Widerspruch? Wir denken nicht, denn auch im Film werden Geschichten erzählt, Bilder gebaut und Emotionen erzeugt. Und dieses Filmprogramm passte besonders gut in die Werkschau-Woche, denn es ging ums Erwachsenwerden und das aus der Perspektive von ganz jungen Filmemacher*innen-Augen. Lotta Schwerk, 18 Jahre und Ron Jäger, Anfang 20 präsentierten uns jeweils drei ihrer Werke. Wer jetzt eine Filmkritik erwartet, der wird enttäuscht sein. Wir finden es passender, folgenden Text zu posten, der in seiner Essenz genau das einfängt, was zu sagen wäre:
Was wäre, wenn die Verwirrung einfach okay wäre?
Wenn man aufhören könnte, alles in richtig und falsch einzuordnen?
Wenn Schüler und Lehrer die gleichen Träume hätten?
Wenn es nicht so wichtig wäre, dazu zu gehören?
Wenn man sich einfach durch die Nacht treiben lassen könnte und es würde niemals morgen werden?
Wenn man sich ausschließlich über seine Gedanken unterhalten könnte und sich dabei auch noch besser verstehen würde, als mit tausend Worten?
Wenn man sich nicht immer entscheiden müsste – zwischen Menschen, zwischen Bleiben und Gehen?
Wenn man Zeit hätte zu warten bis die Katze, die man sich als Kind gewünscht hat, einfach zu einem kommt? Und es dann noch nicht zu spät wäre?
Wenn man einfach zu sich stehen könnte? Zur eigenen Sexualität? Zu den Eltern? Zu den Dingen, die man am liebsten tut?
Was wäre, wenn man beides sein könnte? Alt und Jung, Kind und Erwachsener?
Was wäre wenn…..

Filmstills aus: „Was wir wissen“ und „Okay“ (Lotta Schwerk), „Eine Schulodysee“ (Ron Jäger)
Am Mittwoch gings dann so weiter:

Klinik Nekcürrev – Im Widerspruch der Mehrheit
Blogbeitrag von Lena Leuschner

Um 19 Uhr konnte man am Mittwoch das Theaterstück „Klinik Nekcürrev“, des DS Kurses der elften Klasse aus der Kurt-Schwitters-Schule im Theater unterm Dach bestaunen.  Schon bei dem Namen zerbrachen sich die Zuschauer den Kopf und verdrehten sich die Zunge. Wenn man es umdreht ergibt sich „verrücken“, das macht schon mal Sinn – aber was soll das wieder bedeuten?

Das Theaterstück der vierzehn Jugendlichen beschäftigt sich mit Psychosen und Neurosen von Personen in psychiatrischen Einrichtungen und mit Ausgrenzung. Es wirft viele Fragen auf und prangert den Bürokratiewahnsinn in Deutschland an. Untermalt wurden die Handlungen durch spielerische Bilder und vielen stilistischen Mitteln, wie dem Freeze.

Wer ist verrückt? Sind wir nicht alle irgendwie verrückt? Aber wann überschreitet man als Individuum die Grenze des Normalen, die uns unsere heutige Gesellschaft vorgibt? Ist eine Klinik eine Hilfe, nur ein Ausschluss, ein Ruhigstellen oder hat sie ihre Berechtigung weil sie Ärzten und Pharmakonzernen in erster Linie Geld einbringt? Wer ist ernsthaft psychisch krank und wer benötigte ein Label für seine Probleme? Ob ein Mensch verrückt ist, hängt wohl stark damit ab, wen man fragt.

Die Teilnehmer des DS Kurses begannen die ersten Stunden ihres neu gewählten Schulfachs 2016 damals mit vielen Theaterspielen und Übungen. Kurz bevor es um die Entstehung eines eigenen Theaterstückes gehen sollte, gab Fr. Mielke die Aufgabe, sie sollten sich selbst Rollen ausdenken.  Diese waren alle total verrückt und der erste Kontakt mit dem Thema „Was ist verrückt sein?“ wurde geebnet.

Das Stück ist völlig frei erfunden, als Inspirationsquelle dienten anfangs Auszüge aus dem Poppy Shakespeare-Buch, als die Arbeit fortschritt, kam es zu immer mehr Ummodeleien und Veränderungen, so dass man inhaltlich keine Parallelen mehr ziehen kann. Jeder Schüler und jede Schülerin hat sich die jeweilige Rolle im Theaterstück selbst ausgedacht und sich mit dieser außerschulisch beschäftigt. Es wurden Ticks ausgearbeitet, Ideen gesammelt, Namen und Geschichte erfunden. Auch in den Familien sprachen sie über das Thema, so fanden Erlebnisse von Bekannten in der Psychiatrie Eingang in einige Rollen.  Die Arbeiten am Stück hatten nach den Herbstferien letztes Jahr im November begonnen.  Das Schauspiel aufzubauen hat gefühlt aber ein Jahr gedauert, denn alle hatten tausende Ideen die es galt gekonnt zu verweben. Das funktioniert natürlich nicht ganz und so ist das Stück für viele ein Kompromiss…

Ein sehr schöner Kompromiss fanden die Zuschauer am Mittwoch Abend. Gerade bei so viel Herzblut!

Fotos: Antje Materna

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