Workshop Nummer 3 – Die Prinzessin im Weltall

Spontan, interaktiv und irgendwie skurril
Ein Blogbeitrag von Lena Leuschner

Wer kann sich am Ellenbogen lecken und wohin geht der rote Punkt?! Na?
Polly liebt Ariana Grande, Babak New York, Pia schlafen, Alle Nudeln, ich insbesondere Käsespätzle, Frida kommt aus einer Patchworkfamilie, Ninas Regenschirm kann schießen, Leila kann rückwärts reden, Richard hat ein Ego wie ein Hochhaus, alle mögen die Farbe blau…
Das sind wir – die 14 Teilnehmer vom Workshop „Die Prinzessin im Weltraum“, geleitet von Stephan Thiel.

Der Donnerstagsworkshop beschäftigte sich mit dem Improvisationstheater.
Mit Hilfe von einfachen und humorigen Übungen kreierten wir im Team Szenen, Geschichten und Figuren die im Moment entstehen. Perspektivwechsel – Die Einfälle des Publikums bestimmen was die zwei bis drei Personen auf der Bühne spielen, ihr Zuruf entscheidet das Geschehen der Bühne. Da gab es zum Beispiel plötzlich zwei Maulwürfe auf der Bühne, die anfingen in einem Eiscafe ein Lagerfeuer zu machen, um sich die Schaufeln zu wärmen.
Eine dadaistische Hochzeit mit wenig Wort, dafür umso mehr Gefühl.
Es gab eine Enkelin, die nach langer Zeit mal wieder ihre Oma im Garten besuchte. So ganz im Plausch, unschuldig irgendwo zwischen Tomaten und Gurkenpflanzen, bekam diese einen schmerzvollen Hexenschuss, der sie zusammen sinken ließ. Als die Enkelin sich umdrehte, musste sie feststellen, dass tatsächlich eine Hexe Oma in den Rücken geschossen hatte. Düstere Wendungen, große Liebe, chinesische Babys, Aquarium mit Riesenalen, Weltraum, Taxi, Ägypten..das alles gab es in unserer Improwelt.

 

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Und abends ins Theater unterm Dach: Kurzfilme und „Klinik Nekcürrev“

Der erste Tag Werkschau Jugendtheater und es findet ein Filmprogramm statt? – Ein Widerspruch? Wir denken nicht, denn auch im Film werden Geschichten erzählt, Bilder gebaut und Emotionen erzeugt. Und dieses Filmprogramm passte besonders gut in die Werkschau-Woche, denn es ging ums Erwachsenwerden und das aus der Perspektive von ganz jungen Filmemacher*innen-Augen. Lotta Schwerk, 18 Jahre und Ron Jäger, Anfang 20 präsentierten uns jeweils drei ihrer Werke. Wer jetzt eine Filmkritik erwartet, der wird enttäuscht sein. Wir finden es passender, folgenden Text zu posten, der in seiner Essenz genau das einfängt, was zu sagen wäre:
Was wäre, wenn die Verwirrung einfach okay wäre?
Wenn man aufhören könnte, alles in richtig und falsch einzuordnen?
Wenn Schüler und Lehrer die gleichen Träume hätten?
Wenn es nicht so wichtig wäre, dazu zu gehören?
Wenn man sich einfach durch die Nacht treiben lassen könnte und es würde niemals morgen werden?
Wenn man sich ausschließlich über seine Gedanken unterhalten könnte und sich dabei auch noch besser verstehen würde, als mit tausend Worten?
Wenn man sich nicht immer entscheiden müsste – zwischen Menschen, zwischen Bleiben und Gehen?
Wenn man Zeit hätte zu warten bis die Katze, die man sich als Kind gewünscht hat, einfach zu einem kommt? Und es dann noch nicht zu spät wäre?
Wenn man einfach zu sich stehen könnte? Zur eigenen Sexualität? Zu den Eltern? Zu den Dingen, die man am liebsten tut?
Was wäre, wenn man beides sein könnte? Alt und Jung, Kind und Erwachsener?
Was wäre wenn…..

Filmstills aus: „Was wir wissen“ und „Okay“ (Lotta Schwerk), „Eine Schulodysee“ (Ron Jäger)
Am Mittwoch gings dann so weiter:

Klinik Nekcürrev – Im Widerspruch der Mehrheit
Blogbeitrag von Lena Leuschner

Um 19 Uhr konnte man am Mittwoch das Theaterstück „Klinik Nekcürrev“, des DS Kurses der elften Klasse aus der Kurt-Schwitters-Schule im Theater unterm Dach bestaunen.  Schon bei dem Namen zerbrachen sich die Zuschauer den Kopf und verdrehten sich die Zunge. Wenn man es umdreht ergibt sich „verrücken“, das macht schon mal Sinn – aber was soll das wieder bedeuten?

Das Theaterstück der vierzehn Jugendlichen beschäftigt sich mit Psychosen und Neurosen von Personen in psychiatrischen Einrichtungen und mit Ausgrenzung. Es wirft viele Fragen auf und prangert den Bürokratiewahnsinn in Deutschland an. Untermalt wurden die Handlungen durch spielerische Bilder und vielen stilistischen Mitteln, wie dem Freeze.

Wer ist verrückt? Sind wir nicht alle irgendwie verrückt? Aber wann überschreitet man als Individuum die Grenze des Normalen, die uns unsere heutige Gesellschaft vorgibt? Ist eine Klinik eine Hilfe, nur ein Ausschluss, ein Ruhigstellen oder hat sie ihre Berechtigung weil sie Ärzten und Pharmakonzernen in erster Linie Geld einbringt? Wer ist ernsthaft psychisch krank und wer benötigte ein Label für seine Probleme? Ob ein Mensch verrückt ist, hängt wohl stark damit ab, wen man fragt.

Die Teilnehmer des DS Kurses begannen die ersten Stunden ihres neu gewählten Schulfachs 2016 damals mit vielen Theaterspielen und Übungen. Kurz bevor es um die Entstehung eines eigenen Theaterstückes gehen sollte, gab Fr. Mielke die Aufgabe, sie sollten sich selbst Rollen ausdenken.  Diese waren alle total verrückt und der erste Kontakt mit dem Thema „Was ist verrückt sein?“ wurde geebnet.

Das Stück ist völlig frei erfunden, als Inspirationsquelle dienten anfangs Auszüge aus dem Poppy Shakespeare-Buch, als die Arbeit fortschritt, kam es zu immer mehr Ummodeleien und Veränderungen, so dass man inhaltlich keine Parallelen mehr ziehen kann. Jeder Schüler und jede Schülerin hat sich die jeweilige Rolle im Theaterstück selbst ausgedacht und sich mit dieser außerschulisch beschäftigt. Es wurden Ticks ausgearbeitet, Ideen gesammelt, Namen und Geschichte erfunden. Auch in den Familien sprachen sie über das Thema, so fanden Erlebnisse von Bekannten in der Psychiatrie Eingang in einige Rollen.  Die Arbeiten am Stück hatten nach den Herbstferien letztes Jahr im November begonnen.  Das Schauspiel aufzubauen hat gefühlt aber ein Jahr gedauert, denn alle hatten tausende Ideen die es galt gekonnt zu verweben. Das funktioniert natürlich nicht ganz und so ist das Stück für viele ein Kompromiss…

Ein sehr schöner Kompromiss fanden die Zuschauer am Mittwoch Abend. Gerade bei so viel Herzblut!

Fotos: Antje Materna

„Hear us!“ – Ein Einblick in den zweiten Workshop

Ganz nah und tief im Text
Blogbeitrag von Lena Leuschner

„FPTK FPTK FKPT…“ höre ich es durch den Raum schallen, sobald ich den Theaterraum betrete. Was geht heute wohl vor sich?

Der Workshop „Hear us!“ war laut und experimentell, daran nahmen achtzehn Jugendliche der 9.Klassen der Tesla-Gemeinschaftsschule teil- und viel mit nach Hause!
Geleitet wurde der Mittwochsworkshop, ein Crash-Kurs in Sachen Atmen, Stimme, Sprache und Rhythmus von Astrid Rashed und Roman Shamov des HOR-Künstlerkollektivs.
Genauso wie Sportler müssen sich im Vorfeld auch Theaterschauspieler aufwärmen, deshalb starteten die Kursteilnehmer*innen mit Übungen zur Stimmaufwärmung und Artikulation.

Im Anschluss wurden Textauszüge aus „Finnisch“ von Martin Heckmanns und „Freie Sicht“ von Marius Mayenburg gelesen, aber nicht wie gewohnt still, alleine und zügig, es galt das Gegenteil: man liest laut, abwechselnd, bewusst langsam und spricht gemeinsam über das Gelesene. Es liest der eine Zeile, der zuerst die Initiative ergreift.
Das ist eine sehr interessante Methode, weil man so einen Einblick in die Gefühle des anderen im Bezug auf den Lesestoff erhält. Schließlich finden sie sich in dreier Gruppen zusammen, in denen wird der Text genauestens eingeteilt und es werden sich sprachlich-stilistische Mittel und eine kleine Bühneninszenierung ausgedacht. Gegenseitig stellten sich die Gruppen einander vor. Es wurde gelobt und scharf kritisiert. „Macht nochmal!“ hieß es immer und die Vorschläge wurden direkt danach mit umgesetzt. Von WE WILL ROCK, über Beatbox bis zu Französischen Aktzenten war alles dabei.
Tüdelü und bis morgen!


Fotos: Antje Materna

Tag 1 – Workshop Frühlingserwachen – 3 mal anders

Ein und dasselbe oder zwei völlig anders? Da geht noch mehr!
Blogbeitrag von Lena Leuschner

Vorhang auf.
Martha findet Moritz toll.
Moritz findet Ilse toll.
Ilse nicht Moritz-
Und so vermischt sich der verflixte Mechanismus der unerwiderten Liebe mit den Ängsten der Schüler*innen des Gymnasiums aus Frank Wedekinds Theaterstück „ Frühlingserwachen“ nicht in die Oberstufe versetzt zu werden.

Im Fokus der ausgewählten Szene steht zudem der erbitterte Hahnenkampf der Rivalen Moritz Stiefel und Hänschen Rilow. Obwohl das Theaterstück schon über einhundert Jahre alt ist, Situationen mit denen sich auch die jugendlichen Teilnehmer*innen des ersten Wochenworkshops identifizieren können.

Konzipiert und geleitet wurde der heutige Workshop von Theaterregisseurin Christine Hofer, gemeinsam stellen wir uns die Fragen: Was bedeutet Stil auf dem Theater? Was hat Einfluss auf das, was am Ende auf der Bühne zu sehen ist? Wie unterschiedlich kann man ein Stück gestalten? Welche Bühneninszenierungen sind möglich?

Wir beginnen den Tag mit einer Vorstellungsrunde, spaßigen Lockerungsübungen und erlernen unter Anweisungen von Christine spielerisch ein Bewusstsein für Raum, Bewegung und unsere Mitspieler*innen. Eine Aufgabe ist es durch den Raum zu gehen. Alle in gleichem Tempo, es dürfen keine Lücken entstehen. Christine sagt „Freeze“. Wir frieren ein. Christine zählt „21, 22, 23 Skulptur! Thema Sommerurlaub!“. Wir bilden ohne Worte eine Gruppenskulptur.
„Sieht richtig gut aus“, ruft Christine begeistert vom Bühnenrand und wie wir da alle so als Sommerurlaubsskulptur stehen, liegen, hocken, stellen wir begeistert fest, wie schnell aus einem bunt zusammengewürfelten Haufen ein Team entstanden ist.

Schon beginnt das Proben.
Ein und die selbe Szene führen wir als Gegenwartsstück und im Stil des griechischen Theaters auf. Das Gegenwartsstück wirkt durch Musik, bekannte Dialogen zwischen den Figuren, viel Bewegung auf der Bühne, persönlicher Mimik und Gestik. Aber wie sehr schränken die Masken des antiken, griechischen Theaters die gewohnte Spielweise ein?Herausfordernd und spannend beim athenischen Theater ist die Veränderung der Körperbewegungen. Durch das Tragen von unseren Masken werden die individuellen Gesichtszüge verdeckt und eine völlig neue Art des Agierens bildet sich heraus. Muss sich herausbilden. „Dem Publikum muss ständig die Möglichkeit gegeben werden, frontal die Masken zu sehen, seitliches Spielen ist nicht möglich“, erklärt uns Christine Hofer. Im Spiegel des Theaterflures üben wir uns mit den skurrilen Riesenmasken zu bewegen und Proben die rhythmischen Sprechgesänge des antiken Chores.

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Foto: Lena Leuschner

Wer ist das, der an solchen Tagen immer so schnell die Zeit verstreichen lässt?
Vorhang zu.

Fotos: Antje Materna

Workshop Spezial – Verrückt bleiben bitte!

Ganz außer der Reihe und als geschlossenes Angebot läuft schon seit Montag, dem 10.7. jeden Vormittag ein ganz besonderer Workshop:
Bitte lassen Sie ihr Glück nicht unbeaufsichtigt! oder: Wegen Störungen im Betriebsablauf verzögert sich heute ihr Leben… 
Unter der Leitung von Mareile Metzner und Christoph Schüchner begeben sich Schüler*innen aus der Kurt-Schwitters-Schule im Rahmen ihrer Projektwoche auf einen imaginären Bahnsteig. Sie erarbeiten skurile, witzige und tragisch-komische Momente frei nach dem Motto: „Das Leben ist ein Bahnhof“. Die Ergebnisse präsentieren sie als öffenliche Generalprobe am Samstag, 15.07. um 18.30 Uhr auf dem Kulturareal Ernst-Thälmann-Park vor dem Haus 103. Aber vorher werfen wir immer mal wieder einen kleinen Blick in bzw. auf die Projektarbeit.

Das Projekt ist eine Kooperation mit der Kurt-Schwitters-Schule im Rahmen des Landesprogramms Kulturagenten für kreative Schulen Berlin. Die eigentliche Premiere der erarbeiteten Szenen findet während des Straßenfests der Schule am 17.7. statt.

ON STAGE – Film und Theater von uns für euch!

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Auf unserer Werkschau-Bühne im Theater unterm Dach gibt es in diesem Jahr Einiges zu sehen – also AUGEN AUF! und 98, 99, 100 – ich komme!

DIENSTAG, 11.07.2017, 19.00 Uhr, Lass uns gehen, ein „Coming of Age“-Kurzfilmprogramm
mit den Filmen: Okay. 2015, Wohin. 2016, Was wir wissen. 2017 (alle: Lotta Schwerk/Fion Mutert), Eine Schulodysee. 2015, Wir müssen reden. 2017, Lucas. 2016 (alle: Ron Jäger)
Erstmalig starten wir die Vorstellungsrunde mit einem Filmprogramm. Lotta Schwerk und Fion Mutert zeigen drei Kurzfilme, die preisgekrönt sind und vor allem eins gemeinsam haben: den Blick von Jugendlichen auf Jugendliche und ihr Suchen in der Welt. Es geht um Freundschaft und Einsamkeit und Liebe und manchmal alles zusammen. Auf jeden Fall sehr sehenswert, ebenso wie die drei Kurzfilme von Ron Jäger. Er hat in der Jugendtheateretage seinen DS-Unterricht absolviert, der anscheinend ziemlich prägend war. Nicht umsonst ist einer seiner Protagonisten sein ehemaliger DS-Lehrer. Mittlerweile studiert Ron an der DEKRA Hochschule für Medien Film mit Schwerpunkt Drehbuch und Regie und richtet seinen filmischen Blick ähnlich wie Lotta und Fion auch immer wieder auf die seltsame Zeit des Erwachsenwerdens. Nach den Filmen laden wir euch zum Publikumsgespräch.

MITTWOCH, 12.07.2017, 19 Uhr, Klinik Nekcürrev
Der DS-Kurs 11 der Kurt-Schwitters-Schule hat sich ein ganzes Schuljahr mit dem Thema „Verrückt sein“ beschäftigt. Im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Ein Thema, welches nicht nur viel Stoff für Überlegungen bietet, sondern auch ein großes Potential an schrägen, tragischen, witzigen und melancholischen Szenen beinhaltet. Die Gruppe entführt uns in eine Klinik aus der wir aber glücklicherweise am Ende des Abends auch wieder entlassen werden – zumindest hoffen wir es. Auch hier darf im Anschluss diskutiert werden.

DONNERSTAG, 13.07.2017, 19 Uhr, Exilistan
Das Stück der Newsgroup Afghanistan und dem WeltenwanderTheater ist noch im Entstehen und die Jugendlichen öffnen uns ihre Probentüren und lassen uns einen Blick werfen. Hier spielen afghanische Jugendliche gemeinsam mit Berliner Jugendlichen durch, wie es wäre ein deutscher Politiker und Entscheider zu sein. Sie unterwandern spielerisch die Mechanismen der Macht und begeben sich in die Rolle derjenigen, die normalerweise über das Schicksal der Geflüchteten entscheiden. Das Stück ist Teil eines mehrgliedrigen Recherche- und Ausstellungsprojekts und wird noch bis zum Herbst weiter entwickelt. Im Publikumsgespräch können wichtige Hinweise und Fragen in Richtung der weiteren Stückentwicklung platziert werden.

FREITAG UND SAMSTAG, 14. und 15.07.2017, je 19 Uhr, Shakespeare Pictures
Die Shakespeare Kids unter der Leitung von Sylke Hannasky haben diesmal zwei Teile eines Theaterexperiments im Gepäck. Am Freitag zeigen die jüngeren Ensemblemitglieder Einblicke aus verschiedenen Shakespeare-Dramen auf der Bühne des Theater unterm Dach. Sie verweisen damit auf die am Samstag stattfindenen Monologe, die im ganzen Haus an unterschiedlichen Orten präsentiert werden. Es geht um Desdemona, Richard III., Isabella, Olivia, Katharina und die Lady Macbeth. Wer jetzt die Stücke dazu nicht parat haben sollte – es lohnen sich beide Teile dieser theatralen Ausstellung und man ist voll im Bild.
TEIL 1: Minidramen am Freitag
TEIL 2: Monologe am Samstag

Wir freuen uns auf spannende Theater-Film-Abende und auf euch!